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Oszillieren zwischen Kontrollierenwollen und Ausgeliefertsein

Die Uraufführung der „Cranko Re-flexions
erschienen am 23.11.2007 in Stuttgarter Zeitung
von gab

Das Gefühl, dass Körperteile irgendwie nicht am richtigen Platz sitzen, kennt jeder, der sich bewegt und schon einmal einen schlechten Tag gehabt hat. Besonders oft sehen sich Tänzer mit diesem Unbehagen konfrontiert. „Cranko Re-flexions“ macht die Auseinandersetzung damit auf witzige Weise sichtbar. Tomas Danhel vom Stuttgarter Ballett zelebriert sie unter der Regie von Antje Töpfer und Florian Feisei im Fitz – am Mittwochabend war die Uraufführung.
Waden, Oberschenkel, Hände und Füße baumeln am Anfang von der Decke (Figurenbau: Antje Töpfer). Es sind Einzelteile, die sich mit Hilfe verschieden großer Magnetkugeln beliebig zusammenfügen lassen, und Danhel macht, begleitet von verschiedenen elektronischen Geräuschen und Klaviermusik (Ton-Komposition: Morgan Daguenet), ausgiebig Gebrauch davon. Er bastelt eine Gliederkette aus Armen und Beinen, fixiert Füße auf seinem Rücken – sind nicht die Füße eigentlich die Flügel eines Tänzers? – und setzt schließlich den Kopf in die Beckenschale einer stehenden, unteren Körperhälfte. Er macht Port de bras mit einem Kunstarm, bis dieser die Rollen umkehrt und dem Menschen seine Bewegungsabläufe aufzwingt. Dieses Oszillieren zwischen Kontrollierenwollen und Ausgeliefertsein wird immer wieder neu formuliert – und Danhel ist bei allem ein wunderbarer Schauspieler.
Die Regisseure Töpfer und Feisei haben sich hier mit dem Narzissmotiv von John Crankos Choreografie „Reflexions“ (1952) auseinandergesetzt. Cranko selbst hätte an den originellen Bildern und dem Zusammengehen von Tiefe und Humor bestimmt seine Freude gehabt.