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Poetisch, rau und herzerfrischend

Gutes Theater für die Jüngsten: 'Die 3 Räuber' im Figurentheater Stuttgart
erschienen am 21.01.2014 in Stuttgarter Nachrichten
von Brigitte Jähnigen

Schön schaurig ist es, wenn die Saiten der E-Gitarre angerissen werden, die Becken leise klingen, eine Stimme ohne Worte flüstert und die Gesichter der drei Räuber im Bühnendunkel zwischen Licht und Schatten wechseln. Wilde Kerle sind sie, überfallen Kutschen reicher Leute und horten deren Schätze.

Im Bauch einer Trommel spiegeln sich Perlenketten, Münzen, feines Tuch und eine goldene Prinzessinnen-Krone gar. Große Augen macht das junge Premierenpublikum, und unter dem Sonntagsstaat verbirgt sich Herzklopfen. Doch diesmal schleppen die Männer in ihrem schwarzen Sack ein Lebewesen in ihre Höhle. ‚Ich bin Tiffany‘, stellt sich die armlange Puppe im Mädchenkleid und mit frechem Haarschopf vor. Und bald schon werden die rauen Kerle vor dem angstfreien Wesen dahinschmelzen wie Schnee in der Sonne.

Tomi Ungerers Anarcho-Kinderbuchklassiker findet in der Inszenierung durch das Theater Fayoum & Maik Evers eine ­bezaubernde Übertragung. Erzählbühne, Livekonzert und Puppenspiel sind so klug miteinander verwoben, dass der Wechsel zwischen Spannung und Entspannung nicht eine Spielminute abreißt. Grausamkeiten, ohne die eine Räubergeschichte kaum auskommt, werden imaginiert: Die Fantasie allein erzeugt die Bilder vom großen, roten Beil und der Donnerbüchse.

Nur das Großmannsgehabe beim Aufzählen des Schatzes (‚Perlen, Silberfische, Edelsteine, mit Diamanten besetzte Zahnspangen‘) charakterisiert die Männer als böse Buben, deren Rolle im Spiel mit der Puppe plötzlich hinterfragt wird. Denn nun wird eine Geschichte in der Geschichte erzählt, eine Träumerei über kindliche Spiele zu sphärischen Klängen, vom Sieg der Menschlichkeit über den Mammon. Poetisch, lyrisch, ein wenig rau, aber ungemein herzerfrischend für Jung und Alt.