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Poetische Vogelfänger

Papiertheater Suzan Smadi und Sascha Bufe lassen sich im Stuttgarter Fitz von Jacques Prévert inspirieren.
erschienen am 14.07.2014 in Stuttgarter Zeitung
von Adrienne Braun

Auf den Stühlen liegen Papiertaschentücher. Für den Fall, dass jemand weinen muss? Falls sich einer verkühlt hat und nun mit einem dicken Schnupfen im Theater sitzt? Aber nein, man reißt ein Loch ins das Taschentuch – schon ist es ein gieriges, großes Maul, das die Zähne fletscht. In der Mitte wird das Tuch geschnürt – und siehe da! Eine Blüte entsteht. Einen Atemhauch drauf geblasen – und schon flattert ein Vogel davon. Mit etwas Geschick lässt sich aus schnöden Tempotaschentüchern sogar ein ganzer Theaterabend gestalten.

Suzan Smadi und Sascha Bufe benötigen für ihr Programm ‚Der Vogel des Monsieur Prévert‘ kaum mehr als ein paar Packen Tempos und eine gehörige Portion Fantasie. Die beiden Figurenspieler haben ein Papiertheater mit Schauspiel entwickelt, das im Fitz an lauen Sommerabenden auf der Terrasse des Theaters gezeigt werden soll. Das Wetter hat am Premierenabend leider nicht mitgespielt, so saß das Publikum an Gartentischen mitten auf der Bühne bei einem Gläschen Wein, Brezeln und Petits Fours.

‚Der Vogel des Monsieur Prévert‘ ist kein ausführlich durcherzähltes Stück. Suzan Smadi und Sascha Bufe haben eine hübsche theatrale Fantasie zu Jacques Préverts Gedicht ‚Wie man einen Vogel malt‘ entwickelt. Dazu, so meinte Prévert, müsse man erst einmal einen Käfig mit offener Tür malen, die Leinwand in den Garten tragen und dann warten, dass ein Vogel hineinflattert. Mit riesigen, weißen Ohren und kalkweißem Gesicht kommt Sascha Bufe auf die Bühne und zaubert immer wieder kleine, gezeichnete Objekte hervor: eine Kuh, deren Geweih plötzlich zum Fischskelett wird, Vögel, die auf einem Ast sitzen und Suzan Smadi frech ins Gesicht spucken.

Es ist ein bisschen Jahrmarkttreiben, ein wenig Poesie und viel Fantasie im Spiel. Es entstehen hübsche Bilder und werden kuriose Moment assoziiert. Smadi, eingepackt in einen dicken Papierleib, trägt auf dem Kopf statt Hut einen Fischschwanz. Sie ist eher die Clowneske der beiden, singt schräg und falsch, albert und kokettiert mit dem Publikum, das auf Kommando ‚A‘ und ‚O‘ rufen soll wie im Kindertheater. Bufe ist dagegen eher der Spieler und Tüftler, der an einer imaginären Drehorgel kurbelt oder aus Papiertaschentüchern Vögel zaubert und flattern lässt – und plötzlich, ganz winzig und klein, Smadis Foto auf der Hand als Puppe animiert.

Das versponnene wie komische Spiel passt bestens zu Préverts ganz eigener Vorstellungswelt. ‚Warte bis der Vogel in den Käfig schlüpft‘, heißt es bei ihm, ‚und wenn er hineingeschlüpft ist, schließe mit dem Pinsel leise die Tür.‘