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Spiel mit Bildern

Das "Theater o.N.³ zeigte im Festival "first steps" wie behutsam die "Allerkleinsten" an Theater herangeführt werden
erschienen am 20.09.2005 in Westfälischer Anzeiger
von Gisbert Sander

HAMM ­ Ganz behutsam gewöhnt das „Theater o.N.“ seine Besucher an die besondere Atmosphäre des Theater: Melanie Florschütz in ihrer kunterbunten Kluft erwartet die Gäste ab zwei Jahren bereits im Foyer des Kulturbahnhofes, um sie schließlich persönlich zum Ort des Geschehens zu führen. „Hase Hase Mond Hase Nacht“ heißt die halbstündige Inszenierung, die im Rahmen des Festivals „first steps ­ Theater für die Allerkleinsten³ gestern gezeigt wurde. Dass hier etwas ganz anders ist als draußen, merken die Besucher auch daran, dass sie gebeten werden, ihre Schuhe auszuziehen. Drinnen wird der Grund schnell klar: Die Sitzreihen sind mit einer flauschigen Decke belegt, auf der es sich mit Mutti wunderbar kuscheln lässt. Auf dem dunklen Bühnenboden zieht Michael Döhnert einen Kreis aus weißer Kreide ­ kreisrund wie der Mond, den er mittels Scheinwerfer auf die den Bühnenraum begrenzenden Vorhänge illuminiert. Auch der Zuschauerraum ist nicht ganz abgedunkelt, um gar nicht erst Angstgefühle aufkommen zu lassen. Was folgt, ist ein ebenso poetisches wie abwechslungsreiches Spiel mit Bildern, das durchaus schon bei den jüngsten Zuschauern für Lachen sorgt. Die wenigen Worte, die gesprochen werden, entsprechen mit Sicherheit dem Wortschatz Zweijähriger. Doch auf die Worte kommt es bei dieser opulenten Bildersprache weniger an, da sind die zum Teil lautmalerisch artikulierten Rhythmen dramaturgisch wichtiger, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Der Mond wird zum Spielzeug ­ mal rund, wie man ihn kennt, und mal eckig. Zum Schluß vereinen sich Halb- und Vollmond zu einem Boot, das die Darstellerin entsprechend nutzt. Dazwischen verschwindet der (Neu-) Mond im „Nichts³. Einem Loch im Vorhang, gibt`s ein Fangspiel, an dem auch die Kleinen ihren Spaß haben, oder bewegt sich Florschütz in Zeitlupe weit ausladend rudernd und wie ein Astronaut vernehmlich atmend durch den Raum, um auf dem Mond, der nun auf den Boden projiziert ist, zu landen und eine Fahne zu platzieren. Letzteres können die Kleinkinder zwar nicht als Mondlandung erkennen, aber an der pantomimischen Art der Darstellung haben auch Erwachsene ihren Spaß. Der Hase aus dem Titel taucht nur an Anfang und Ende auf ­ ebenfalls, um den jüngsten Besuchern mit dem wohl kuscheligsten aller Tiere Ängste zu nehmen.