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Stück über den beschleunigten Alltag

erschienen am 07.07.2009 in Berliner Morgenpost

Am Anfang steht ein verheerender Autounfall, nur keiner nimmt ihn wirklich wahr. Komplett zerstört ist ohnehin nur der Dummy, dessen Torso und Gliedmaßen schließlich wieder für den nächsten Crashtest zusammengesetzt werden können.

Ein Versicherungsagent (Martin Molitor) macht sich dennoch daran, den Vorfall zu untersuchen. Währenddessen versucht eine überforderte Redakteurin (Mechthild Barth), die Realität für einen Moment festzuhalten, obwohl die Nachrichten mit Lichtgeschwindigkeit an ihr vorbei fliegen.

Kann man die Gegenwart in unserem beschleunigten Alltag überhaupt noch erfassen? Im Theaterdiscounter gehen die Regisseurin Yvette Coetzee und das Ensemble wonderful catastrophe aus Schauspielern, Tänzern und Puppenspielern dieser Frage in der experimentellen Inszenierung „Endstation Echtzeit“ nach. Mit textlichem Rohmaterial von Thomas Melle, den Soundscapes von Musiker Matthias Herrmann sowie den Kommandos „Go!“ und „Stop!“ werden immer neue Versuchsanordnungen geschaffen.

Wasserkisten und Styroporverpackungen werden umgesetzt, zwei Mal kommt sogar eine Druckluftkanone zum Einsatz und über allem liegt stechender Schweißgeruch. Hier wird nämlich hart gearbeitet, um ein Phänomen sichtbar zu machen. Einmal will Florian Feisel mit einem Abreißkalender die Echtzeit sekundengenau treffen. Hinterher übersäen Papierzettel das Spielfeld, während der Performer lange außer Atem ist. Endlich ein griffiges Bild. Jedoch zu wenig für einen Abend.