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Toller Zauber im Fitz

erschienen am 08.11.2014 in Stuttgarter Nachrichten
von Brigitte Jähnigen

Die Erde, der Mond, die Sonne, die Sterne, der Mensch und ihre Beziehungen zueinander: Auf leerer, dunkler Bühne schreitet ein Kind und berichtet von ferner Einsamkeit. Das Erzähltempo langsam steigernd, die Handlung sanft vorantreibend, beginnt am Donnerstagabend im Figurentheater Fitz eine meditative, zum Staunen verführende Inszenierung. Ein virtuelles wie reales Spiel, das den Kontrast von Licht und Schatten nicht nur physikalisch, sondern auch philosophisch und psychologisch meint. Denn was geschieht, wenn die Sonne die Erde verlässt, die Sterne verlöschen, sich die Galaxien auflösen? Was ist mit der Ewigkeit? Müssen wir sie fürchten, oder dürfen wir uns in ihr aufgehoben fühlen? Noch aber drehen sie sich, die Planeten. Sie bilden im Bühnenraum und auf dem Körper der Figurenspielerin Iris Meinhardt Kreise und Ringe, verändern dank einer sehr speziellen Infrarot-Videotechnik Form und Lage. Die Lichtkörper reisen über Meinhardt hinaus, die Choreografie von Körper und Projektion zum Sound von Thorsten Meinhardt fasziniert. Sich zu fragen, wie dieses Wunder technisch zu erklären ist, lohnt nicht – wer will schon wirklich wissen, wie ein Zauberer arbeitet? Besser ist es, sich dem verwirrenden, betörend schönen Spiel hinzugeben, wenn Iris Meinhardt reale Bälle aus der Kulisse holt, vom Bühnenboden fallen und Teil des Sonnensystems werden lässt. Wenn sie dank des Halleffekts raumfüllend spricht: ‚In fünf Millionen Jahren verlässt die Sonne die Erde. In einer Billion Jahren verlöschen die letzten Sterne. In zehn Trillionen Jahren haben sich die Galaxien aufgelöst . . .‘ Und so fallen drinnen die Sterne als Regen, als Schweif, als Regen, während vor der Theatertür der Vollmond glänzt und die Leoniden vom Himmel fallen. Unbedingt anschauen! (bj)