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Tollkühner ohne fliegende Kiste

Figurentheater Lambert Mousseka erzählt im Fitz, wie ein Mann zum Mond will.
erschienen am 28.09.2009 in Stuttgarter Zeitung
von Cord Beintmann

Der Mann kann erzählen, aber wie! Lambert Mousseka, 1976 in der Demokratischen Republik Kongo geboren, steht auf der Bühne und wippt locker und zugleich prägnant mit seinem Körper. Und dann erzählt er auf Deutsch, hin und wieder afrikanische und französische Satzfetzen dazwischenstreuend, tolle Geschichten, und das absolut mitreißend. Zu Beginn des Stücks „Die Reise zum Mond“ im Figurentheater Stuttgart persifliert er einen afrikanischen Herrscher der sechziger Jahre, der mit Sonnenbrille und Hütchen auf einem Thron sitzt und sich auf einen königsmäßigen Stock stützt.

Dann mimt Mousseka erzählend einen Mann, der sich mit einem Koffer großräumig in alle vier Himmelsrichtungen aufmacht. Dabei trifft er auf einen Löwen und eine Frau, eine handgeführte Puppe, denen er großspurig verspricht, sich beim „Kreator“, das soll wohl Gott sein, für sie einzusetzen. Der Mann ist eifersüchtig auf die Vögel, weil sie fliegen können, und möchte zum Mond, darunter macht er’s nicht.

Mousseka (Text und Spiel) und Stefanie Oberhoff (Ausstattung und Animation) haben sich dazu schön wunderliche Szenen ausgedacht. Irgendwann erscheint jener Mondsüchtige, von dem Mousseka erzählt, als Püppchen auf der Bühne, als älterer Herr mit einem Bart wie das DDR-Sandmännchen, Typ verrückter Erfinder. Mousseka, der charmante Causeur, führt ihn am Kopf und an den Ärmchen wie einen Faust, der Sinn suchend durch die Welt geistert. Die rund vierzig Zentimeter große Figur hockt in einem Holzboot, das einer Flugmaschine gleicht.

Im Fitz werden Geschichten von archaischer Bildkraft erzählt, die auch etwas Afrikanisches haben – so empfindet es wenigstens der Nicht-Afrikaner. Manche Szenen aber bleiben rätselhaft, und insgesamt mangelt es an einem klar erkennbaren roten Faden (Regie: Hendrik Mannes). Deutlich wird aber immerhin, dass es mit der Mondfliegerei nicht klappt. Doch dafür gibt es philosophische Einsichten: „Wenn der Mond nicht oben ist, musst du ihn unter der Erde suchen.“