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Und die Maus vermietet ein Haus

"Nils Karlsson Däumling" im Fitz
erschienen am 16.03.2005 in Stuttgarter Nachrichten
von Horst Lohr

Derzeit drücken sich im Fitz kecke Winzlinge die Türklinke in die Hand. Bis vor wenigen Tagen musste der „Däumling“ der Mannheimer Figurenspielerin Maren Kaun in teilweise zu abstrakten und deshalb von den Vierjährigen eher zurückhaltend aufgenommenen Bildern noch gegen Räuber und Wolf ums Überleben kämpfen. Dagegen darf der einem Märchen von Astrid Lindgren entsprungene Däumling Nils Karlsson des Stuttgarter Zikade-Theaters ein friedlicheres Dasein führen: in einer von Regisseurin Margrit Gysin geschaffenen Fantasiewelt en miniature, welche die Kinder ab vier Jahren mit ihrer Sinnlichkeit begeistert.

Von einer Maus hat sich Nils Karlsson ein Haus im Format einer Schuhschachtel gemietet. Dort kann ihn auch sein fünfjähriger Freund Bertil besuchen, nachdem er gelernt hat, mit Hilfe des Zauberworts „Kille- vips“ ebenfalls auf Daumengröße zu schrumpfen. Mit kindlichem Tatendrang in der Stimme und flinken Fingern erweckt Ines Müller-Braunschweig die Jungen als nur fingerlange, feingliedrige Latex-Knirpse zum Leben. In den geheimnisvollen Tiefen des Jacketts der Spielerin verbirgt sich ein Geheimgang zur Erwachsenenwelt, aus der Bertil Sessel, Bett und Teppich in Puppenstuben-Größe abschleppt, mit denen die Freunde Nils Karlssons kahle Wohnung möblieren. Dass sie nach der Plackerei lustvoll in einem zur Badewanne umfunktionierten Marmeladeschälchen plantschen, lässt die kleinen Zuschauer vor diebischem Vergnügen nur so quieken.