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Uraufführung im Fitz: „Romanzero“

erschienen am 09.10.2007 in Stuttgarter Nachrichten
von Horst Lohr

Ein Mann im Nachthemd taumelt auf die Bühne. Er würgt einen endlosen blutroten Stoff ström aus sich heraus – poetische Eruptionen des todkranken Dichters Heinrich Heine. So beginnt im Fitz die Uraufführung von „romanzero.disparates“, einem Stück des Stuttgarter Autors Helmut Landwehr um den Romanzenzyklus „Romanzero“, Heines letztes Werk. Regisseur Horst-J. Lönius hat aus Figuren- und Sprechtheater, Pantomime und dem elegischen Soundtrack von Dietrich Lutz eine surrealistische Szenencollage entwickelt. Er zeigt Kopfgeburten des Dichters im Morphiumnebel; von Goya inspirierte Fantasiegestalten geistern durch Sylvia Wankes kühlen Raum.

Uwe-Peter Spinners Heine überzeugt mit der Intensität seines Ringens um Anerkennung. In seinen Obsessionen taucht der bewunderte Goethe auf, Richard Wagner traktiert den Delirierenden mit schwanengefiederter Riesennote und antisemitischen Hasstiraden. Hinter beiden Figuren steckt der Schauspieler Robert Atzlinger mit arroganten Tönen und geschmeidigem Körperspiel. Durch des Dichters Fieberträume stelzen auch die Ehefrau und seine Geliebten, gespielt von Yana Novakova und Miriam Paul. Eine von den beiden Darstellerinnen inszenierte Schattentheater-Reise lockt den kranken Dichter zu einem letzten Traumbesuch der Sultanspaläste des Morgenlandes: ein zauberhafter szenischer Kommentar zur Ballade „Der weiße Elefant“.