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Vom Eintauchen in die wunderbare Welt des Theaters

erschienen am 05.11.2018 in Liechtensteiner Volksblatt
von Monika Kohne

Überaus poetisch, mit viel Fantasie, feinem Humor und darstellerischem Können ermöglichte das Figurentheater «Herr Eichhorn und der Besucher vom blauen Planeten» den jüngsten TAK-Besuchern eine sinnliche Annäherung an das komplexe Thema Angst vor dem Fremden

Ein kleines Kind, auf dem Schoss seines Vaters sitzend, hielt sich die Augen zu, als die Figur des Bären am Sonntagnachmittag tapsig die Bühne des TAK betrat. Im Laufe des Stückes schielte es immer mehr zwischen seinen Fingern hindurch, bis es zum Schluss seine Angst überwunden hatte. Eindeutiger hätte die Wirkung des Figurentheaterstücks «Herr Eichhorn und der Besucher vom blauen Planeten» wohl nicht sein können. Bühne und Wirklichkeit verschmolzen regelrecht zu einem Ganzen. Eine perfekte Abstimmung zwischen Iris Meinhardts Regie/Figuren, der Szenografie von Michael Krauss sowie Thorsten Meinhardts Musikdramaturgie. Auf einem weichen Teppich sassen die Zuschauer ab vier Jahren gemeinsam mit ihren erwachsenen Begleitern beinahe auf der Bühne und konnten sich ganz auf die wunderbare Welt des Theaters einlassen. In dem nach dem Bilderbuch von Sebastian Meschenmoser inszenierten Stück fürchten sich keine Kinder, sondern es sind Herr Eichhorn und dessen Freunde, der Bär und der Igel, die sich hier vor einem seltsamen blauen Wesen fürchten. Jede einzelne Figur wurde wunderbar lebendig, mit viel Charme und Fingerspitzengefühl pointiert von Luis Hergòn und Coline Petit dargestellt. Vor einem Monat feierte das Stück im «FITZ!», dem Zentrum für Figurentheater in Stuttgart, seine Premiere, nun bezauberte die Inszenierung von Meinhardt und Krauss seine Erstaufführung im TAK.

Zwei blaue Wesen waren den drei Tieren fremd und somit bereits verdächtig. Sie hielten sie für gefährlich und es galt, sie loszuwerden. Vermutlich waren es Ausseridische, die gekommen waren, um den Bären einzufangen und ins All auf ihren blauen Planeten mitzunehmen. Geschickt wurde das Publikum in traumhaften Sequenz mit Ängsten und abstrusen Vorurteilen konfrontiert, die in den von Nadja Weber gestalteten Video-projektionen durch fantastische Übertreibungen für Humor sorgten. Der Bär, der den blauen Planeten drehen musste, mit den Ringen des Saturns Hula-Hoop tanzen oder als Urlaubsvertretung für die Sternzeichen des grossen und kleinen Bären die Stellung am Himmel halten sollte.

Leichtfüssig mit Tiefgang Die Pläne des Eichhörnchens und des Igels, die Ausserirdischen zu vertreiben weder das Wechselspiel vom Bär zum Baum noch das Verstecken des Raumschiffes, das Zeit zweier Camper führten zum Erfolg. Umso mehr sorgten die unglaublich geschickten und extrem detailverliebten Darstellungen der Figuren inklusive Verstecken, Verfolgungsjagden und Tollpatschigkeit zu einer extremen Nähe und Empathie gegenüber den drei Waldbewohnern. Der mächtige Bär, der seine Freunde haltend, verzweifelt und zitternd unter dem Baum kauerte, machte die Angst beinahe körperlich spürbar. Dabei wollten die blauen Wesen, die sich als Vogelpaar herausstellten, nur einen guten Nistplatz. «Und welcher Ort war sicherer als der Kopf des Bären.» Eine wunderbar leichtfüssige und zugleich sehr tiefsinnige Inszenierung eines höchst aktuellen Themas, das seinen ermutigenden Abschluss in einem gemeinsamen Tanz aller noch so unterschiedlichen Figuren mit Federn, Fell und Stacheln fand, mit dem gesungenen Fazit: «Wir sind doch alle Tiere.»Ein wundervolles Stück Theater, das dazu ermunterte, zwischen den Fingern hindurchzublinzeln, um schliesslich mit offenem Blick auf das zunächst Angstmachende zu schauen.