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Wahnsinn

Frank Schneider als König
erschienen am 08.07.2007 in Amtsblatt Stuttgart
von Karin Hascher

Ich habe ihnen schon eine ganze Menge unvergesslicher Stunden zu verdanken: Charlotte Wilde und Michael Vogel. Vor zehn Jahren gründeten sie das Figurentheater Wilde & Vogel und sind seitdem mit ihrer Kunst in der ganzen Welt zu Gast. Aus Anlass des Jubiläums ist noch bis 18. November im Fitz – Zentrum für Figurentheater – unterm Tagblattturm eine Werkschau der beiden mit vielen Höhepunkten ihres Schaffens zu sehen.

König und Narr

Das Wilde&Vogel-Festival hat letzten Freitag grandios mit der Stuttgarter Premiere des „Lear“ begonnen. Wie schon in „Spleen“ letztes Jahr führte Hendrik Mannes Regie. Die Titelrolle hat der freie Schauspieler Frank Schneider übernommen. Charlotte Wilde und Johannes Frisch sorgen für das musikalische Zauberwerk der Aufführung mit Geige, Bass und Orgelpfeifen.

Es gehört zur großen Kunst von Wilde&Vogel, dass ihr Spiel auf mehreren Ebenen „funktioniert“. Man muss Shakespeares monumentales Trauerspiel „Lear“ mit seiner stattlichen Besetzung nicht schon x-mal gesehen haben, um in diesem auf einen Zweikampf reduzierten Spiel ein unheilvolles Geflecht von Beziehungen zu erkennen. Absoluter Höhepunkt ist die Gala der skurrilsten Masken, die den König in den Wahnsinn treiben.

Man muss auch keine Ahnung von Beckett haben, um die absurdkomische Seite der Trostlosigkeit zu genießen. Noch weniger muss man wissen, dass Wilde & Vogel und Hendrik Mannes als Textgrundlage die erste deutsche Übersetzung der Tragödie von Christoph Martin Wieland gewählt haben, und ihn offenbar so schätzen, dass sie sogar eine seiner Anmerkungen zitieren.

Sommernachtstraum

Mein Tipp also: unbedingt anschauen. Gelegenheit gibt es dazu während der Werkschau noch am Freitag und Samstag, 16. und 17. November, sowie vom 7. bis 9. Dezember.

An den übrigen Spieltagen können Sie sich ein umfassendes Bild von der Vielseitigkeit und Kreativität des Figurentheaters Wilde & Vogel machen. Zum Beispiel beim „Sommernachtstraum – reorganisiert“ am Freitag und Samstag, 9. und 10. November, mit anschließender Late-Night. Oder bei „Toccata“ am Donnerstag, 15. November, oder für Kinder ab acht Jahre bei „Der Hobbit“ am 11. und 13. November sowie bei „Maria auf dem Seil“ am 18. November.