Springe zur Navigation

Wald und Wunderkammer

erschienen am 16.09.2013 in Esslinger Zeitung
von Petra Bail

Die Aussichten sind rosig, der Blick zurück erfolgt nicht im Zorn. Fitz-Leiterin Katja Spiess zeigt sich zufrieden mit der Auslastung im Stuttgarter Zentrum für Figurentheater. „Gleichbleibend schön", findet ihr Kollege Christian Bollow die 76 Prozent verkaufter Karten in der vergangenen Saison. Bei mehr als 300 Vorstellungen ist die Grenze des Leistbaren in dem kleinen Theater im Tagblattturm-Areal erreicht.

Allein 50 Vorstellungen gingen auf das Konto des Festivals „Die animierte Stadt“. Das Highlight der Saison zum 30-jährigen Bestehens des Figurentheaterzentrums und des Studiengangs Figurentheater an der Stuttgarter Schauspiel-Hochschule bescherte eine Auslastung von 85 Prozent. Damit wurde die oft im Verborgenen funktionierende Verbindung der beiden Institutionen auch nach außen demonstriert. Die Faszination der Animation durfte aufs Schönste leuchten. Vernetzung ist das Kernthema auch in Zukunft. Praktiziert wird sie seit einiger Zeit mit dem Figurentheater-Produktionszentrum Westflügel Lindenfels in Leipzig. Dort wurde auch „Ach, Wald“ der Stuttgarter Figurenspielerin und Performancekünstlerin Stefanie Oberhoff und des Wiener Off-Theater-Stars Christoph Bochdansky entwickelt. Premiere zum Saisonauftakt im Fitz ist am 26. September, 20.30 Uhr. Die Krimigroteske basiert auf Arthur Conan Doyles Sherlock-Holmes-Roman „Der Hund von Baskerville“. Bewährt hat sich in der Vergangenheit die vom Publikum gut angenommene Bündelung von Inszenierungen unter einem Themenschwerpunkt. Daran knüpft die Reihe „Märchen für Erwachsene“ im Dezember und Januar an. „Hänsel und Gretel“ (19./20. Dezember), „GRIMMiges für Große“ am 4. Januar 2014, „Der Wolf und die sieben Geißlein“ (23. bis 25. Januar 2014) sollen ebenso wie „Die wilden Schwäne“ (28. bis 31. Dezember) für kindliches Vergnügen bei Volljährigen sorgen. Die inhaltliche Entwicklung des Figurentheaters umschreibt Bollow mit der Formel „Power of the Puppet“. Puppen und Marionetten kommen auch bei Figurenspielern wieder auf die Bühne, die sie lange nicht verwendet haben. „Die Zuschauer schätzen das“, glaubt Bollow. Er sieht in der neuen Strömung eine „Souveränität in der Wahl der Mittel“. Das Spiel mit Puppen im Erwachsenen-Programm habe sich zum „signifikanten Merkmal“ entwickelt. Als Hommage an den Marionetten-Virtuosen Albrecht Roser ist das Stück „Wunderkammer“ (Premiere am 14. November) gedacht. Puppenspiel für Zuschauer ab elf Jahren und Blasmusik kombiniert Espace Maso-lo aus Kinshasa im Kongo. Die jugendliche Truppe gastiert auf ihrer Deutschlandtournee am 5. und 6. Oktober im Fitz. Im Kinderbereich gibt es zwei Premieren für das Publikum ab acht Jahren („Zäpfel pfeift drauf“ am 26. September und „Elsas heilige Nacht“ am 30. November) sowie eine für Vierjährige („Herr Eichhorn und der erste Schnee“ am 7. Dezember). Auch beim internationalen Figuren-theaterfestival „Imaginale“ hat sich die Vernetzung mit unterschiedlichen Einrichtungen in sieben Städten bewährt. Die nächste Runde geht vom 6. bis 16. Februar 2014 über die Bühnen im Ländle.