Springe zur Navigation

Was ist Realität?

erschienen am 16.09.2013 in ARTiLeipzig
von Christina Mergel

Im Westflügel Lindenfels wurde am Samstag mit dem Stück „R.O.O.M.“ von Meinhardt und Krauss ein interessanter Abend voller Illusionen geboten.

Eine Stimme aus dem Off beschreibt eine Szene, begleitet von bedrückenden Melodien. Doch es ist kein Hörbuch, das Bilder in den Köpfen der Anwesenden entstehen lässt, sondern sie werden zu Beobachtern der Szene: Eine Frau findet sich in einem Raum wieder, ohne zu wissen, wie oder warum sie dort hingekommen ist. Ein dunkler leerer Raum, möbliert mit nichts weiter als einem Stuhl und einem Tisch. Ist sie tot? Träumt sie? Die Frau versucht sich zu orientieren, doch bald wird klar, dass die physikalischen Gesetze, die sie von ihrer bisherigen Wirklichkeit kennt, hier nicht greifen. Wo gerade eine Tür war, ist bald ein Fenster, bald offenes Meer, bald Wald und dann wieder ein großes schweres Nichts.

„Das Zimmer wurde von der Welt vergessen“,

sagt die Stimme. Doch man kann die Frau sehen, ihre Hilflosigkeit spüren, aber ein Eingreifen ist nicht möglich. Ganz allein ist sie dennoch nicht: Eine Puppe erwacht durch die Frau scheinbar zum Leben. Ist sie hier zuhause? Gelingt es ihr nicht besser als der Frau, sich schwebend oder schwimmend in den wechselnden Zustandsformen des Raumes zurechtzufinden? Oder ist auch sie nur eine gefangenes Wesen?

Die Frau bleibt stumm und und eine Gefangene in diesem Raum, der sich nach und nach auflöst, um neu zu entstehen. Und auch die Zuschauer sind gefangen – auf ihre Weise – von dieser beklemmenden Szene, die die Grenzen von Realem und Surrealem aufhebt.

Geheimnisvoll mutet es an, was Meinhardt und Krauss hier auf die Beine gestellt haben. Ein Blatt kann plötzlich fliegen, ein Kopf im Tisch versinken und aus einem Lichtquadrat ein plastischer neuer Raum ansteigen. Die Verbindung von Theater und Videokunst ist sicher keine Neuheit, doch die Umsetzung in diesem Stück ist so spezifisch und packend, wie es selten gelingt. Die Stimmung bleibt über die Spieldauer von einer Stunde konstant ruhig und angespannt zugleich und als Zuschauer ist man gefesselt von diesem intimen Spiel. Iris Meinhardt überzeugt in ihren Gesten im Zusammenwirken mit projizierten Fenstern, Flüssigkeiten, Klötzen und besonders der feinen Gliederpuppe.

Nach der Inszenierung bleibt ein nachdenkliches Gefühl, aber auch eines der Zufriedenheit über diese starke Produktion.