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Wenn die Bohne mit den Streichhölzern

erschienen am 01.01.1994 in WAZ
von Stefan Brunner

Gyula Molnars Figurenspiel im Prinz-Regent-Theater

Er ist klein, höchstens einssiebzig. Er fällt kaum auf, als er aus dem Dunkel des hinteren Bühnenteils an den sparsam beleuchteten Tisch – Hauptschauplatz des 50minütigen Figurentheaters – tritt; seinen knapp geschnittenen Anzug zu allem Überfluß noch zuknöpft, das Publikum begrüßt, zwei Selbstmorde ankündigt und Platz nimmt. Plötzlich kommt Leben in das Gesicht von Schauspieler Gyula Molnar und Bewegung auf den Bühnentisch des Prinz-Regenten Theaters; Als Molnar kleinen Gegenständen des Alltags (Alka Seltzer, Bonbons, Zündhölzern) mimisch und verbal Leben einhaucht. Dabei leiht er den Requisiten nur sein Gesicht, liefert ihnen das Medium zur Kommunika­tion mit dem Publikum.
Die Sprache reduziert er meist auf ein kleinkindübliches Kauderwelsch. Zum Bei­spiel in der Darstellung des er­sten Selbstmordes. Als er verspielt das triste Dasein einer Alka-Seltzer-Tablette dem Holdrio bunt gemischter Bon­bons gegenüberstellt- Die Pille, die lieber ins „süße“ Lager wechseln möchte, muß letztlich – abgestoßen von der Candy-Clique – den vernichtenden, da auflösenden Weg ins Wasserglas gehen.

Mienenspiel faszinierend

„Faszinierend“ (wie Molnar schon vor Beginn angekündigt wurde) stellt der Mime seine banalen Geschichten mit spartanischen Mitteln dar. Mit einem Mienenspiel, das gera­de noch freudestrahlend Bon­bons feiern, schon eine Sekunde später Tabletten trauern läßt. Und in seiner Episode über die Zeit mit zerknautschtem Gesicht das zerquetschte Dasein von Erdnüssen zum Problem unserer Zeit stilisiert. Oder das Techtelmechtel zwischen dem dänischen Streichholz Jörg und der brasilianischen Kaffeebohne Piu darstellt, jäh beendet von einer gnadenlosen Kaffeemühle. Ein generalüberholtes: Bild von Bonbons und Kaffeebohnen trägt an diesem Abend; wohl jeder Zuschauer nach! Hause. Vier Jahre pausiert« Molnar mit diesem Stück. Erst die Überredungskunst von Tourmanager Gert Engel trieb Ihn mit „Drei kleine Selbstmorde“ wieder auf die Bühne. Bisher siebenmal in Deutschland. Zum achten und letzter Mal heute in Oldenburg Wenn Sie sich beeilen…