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Wer bringt die Kinder?

Wie kann man kleine Kinder übers Kinderkriegen aufklären? Man geht mit ihnen ins Figurentheater Paradox und erlebt ein Bärenwunder.
erschienen am 28.02.2001 in Stuttgarter Nachrichten

Die vielen Ammenmärchen, die auch heute noch übers Kinderkriegen kursieren, werden in der Inszenierung „Das Bärenwunder“ (Regie: Anja Noetzel) nach dem gleichnamigen Buch von Wolf Erlbruch für kleine und große Zuschauer auf zauberhafte Weise auf eine Bärenwolke gelenkt. Doch zunächst einmal geht’s mit Tangoschwung aus der Konserve ins Metallgitterbettchen. Der Bär – Stephanie Rinke vom Typ Kindfrau – kann nicht schlafen. So tagträumt er und möchte Bärenvater werden. Der Hase zieht seine Kinder an den Ohren aus dem Rübenfeld.

Der Vogel brütet sein Baby Margarete aus einem Ei. Aber was tut ein Bär? „Der braucht ’ne Frau“ wispert ein Mädchen in der ersten Reihe. Doch dann kommt der Storch hinter dem Paravent hervor. Eine prachtvolle Kaukautzky-Puppe, der man gerne zutrauen möchte, dass sie die Kinder – egal, auch welche – bringt.

Stephanie Rinkes poetisch-humorvolles Spiel kann die Kinder aber dann nicht bei der Stange halten, wenn sie die Ebene der kindlichen Wahrnehmung verlässt und durch Ironie ersetzt. Das unterhält zwar Mutter, Vater und Großeltern, überfordert aber die Kleinen emotional. Doch wie mit einem unsichtbaren Lasso fängt Rinke sie immer wieder ein, weil sie auf Zwischenrufe blitzschnell reagiert. Und so sind denn am Ende alle hoch zufrieden, wenn der Bär, seine neue Freundin im Arm, sagt: „Du musst nur ein bisschen mitmachen, dann kriegen wir nächstes Jahr ein Kind.“