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Wilde & Vogel im Figurentheater

erschienen am 27.10.2014 in Stuttgarter Nachrichten
von Brigitte Jähnigen

Beine zucken, Augäpfel rollen, Münder seufzen: Gewitter toben im Gehirn, wenn der Mensch schläft. Die Phasen Rem-Schlaf und Non-Rem-Schlaf wechseln einander ab. Geträumt werden keine Bilder, geträumt werden Gedanken. So weit die Wissenschaft. Völlig durchgeknallt jedoch sind Spielszenen, die sieben Spieler in dem Stück‘ Faza Rem Phase‘ zum Thema produzieren – Surrealismus pur.

Da ist der geträumte kleine Hase aus der Häschenschule der einzig unschuldige Moment. Figuren aus Latex mit roten Nippeln gieren im Traum. Masken werden über Gesichter gezogen, durch Ein- und Ausatmen zum Leben erweckt. Kleinere Latexfetzchen wuchern wie Kefirpilze im Laborglas, mutieren orangefarben, bewegen sich, beginnen zu leuchten und müssen mit einem polnischsprachigen Schlaflied beruhigt werden. Ein winziges rotes Federfigürchen am Stab treibt eine Schauspielerin zum Wahnsinnsgalopp. Doch, wie in Albträumen üblich, tritt die Frau nur auf der Stelle.

Kommentiert wird das Nachtleben von Michael Vogels Figurenpersonal auf Deutsch, Englisch und Polnisch. Klänge und Geräusche aus Charlotte Wildes Soundfabrik durchweben diese Fantasien, vervollständigt durch mehrstimmigen Gesang. Surrealistisch zucken, rucken, wabern die Nachtgestalten auf der Bühne, da werden die traditionellen Schlaf- und Traumlieder dieser begabten deutsch-polnischen Gruppe zu Einwirkungen guter Geister in der Absurdität der Träume.

Das bizarre Figurenkompendium, das aus Pulten mit Klappen und Böden gezaubert wird, von Leitern herabsteigt und im Bühnenboden entschwindet, will noch am 29., 30. und 31. Oktober, jeweils um 20.30 Uhr, die Träume des Publikums beflügeln. bj