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Wölfe in Märchen und der Wirklichkeit

Figurentheater Fitz befasst sich mit Isegrim
erschienen am 23.04.2011 in Ludwigsburger KreiszeitungLudwigsburger Kreiszeitung

Stuttgart – Einen oder gleich mehrere Ausflüge ins Reich der wilden Tiere präsentiert Maik Evers in seiner Abschlussarbeit im Studiengang Figurentheater unter der Regie von Michael Vogel in einer Koproduktion der„Gruppe K“ mit dem Theater „Lindenfels Westflügel“ unter dem Titel „Wölfe“.

Allerhand Fellwerk liegt auf der Bühne herum. Wolfsgeheul ertönt. Drei Menschen – oder sind es doch schon Wölfe – sitzen auf dieser Bühne. Ein an sich, wie man heute weiß, eher harmloses und für den Menschen ungefährliches Raubtier steht im Mittelpunkt der Inszenierung. Der Wolf, der Bösewicht aus den Märchen, der Geislein und rotbemützte Kinder frisst, der Wolf, der auch in einem Werwolf steckt. Aber auch der Wolf, der Rudel bildet, eine Unart, die beim Fußball mit der Gelben Karte zu bestrafen ist, wie das muntere Treiben auf der Bühne uns belehrt. Gelbe Karte also für den Wolf? Kaum, denn das würde ihn kaum interessieren. Nein, dem Herrn Isegrim, wie er in der Fabel heißt, ist man eher mit der Flinte auf den Pelz gerückt, deshalb ist er auch aus unseren Landen verschwunden und traut sich erst langsam wieder zurück. Um wieder mit den Mythen, den alten Ängsten der Menschen konfrontiert zu werden. Ist es sein schauriges Heulen oder doch einfach die Tatsache, dass wir von dem scheuen Jäger sehr wenig wissen. Oder ist es die Angst, dass in uns auch ein Wolf stecken könnte, ein Rotkäppchenfresser, ein Rudelbilder, ein Mondanbeter? Vielschichtig, manchmal auch ein wenig chaotisch, geht diese Aufführung ihr Thema an. Es erscheint manchmal wie eine Stoffsammlung zum Thema Wolf, die dann unverzüglich auf dieser Bühne aufgelistet wird. Und deshalb ist es eine sehr spannende, höchst virulente Inszenierung geworden, die ganz unkonventionell mit den Mythen und Märchen spielt. So mancher Zuschauer sitzt mit großen Augen und offenen Ohren da, schaut der Fellrevue zu und hört auch „Bad Moon Rising“ von Creadence Clearwater Revival.

Und fragt man ihn, warum er so große Augen und so große Ohren habe, dann darf er ruhig antworten: „Damit ich dieses Stück besser packen kann“.