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Wunderkammer der Marionetten

Drei Meister des Puppenspiels treffen sich auf der Bühne des Stuttgarter Fitz
erschienen am 16.11.2013 in Ludwigsburger Kreiszeitung
von Arnim Bauer

Die Entwicklung des weiten Feldes des Figurentheaters geht derzeit eindeutig zurück zur Puppe, zu den Wurzeln des Genres. Nach Jahren des Ausleuchtens der vielen Ecken dieser besonderen Kunstart, nach Materialspiel, Crossover-Projekten und spannenden Experimenten, besinnt man sich wieder auf die Puppen gerne auch am Faden.

Drei, die nicht nur längst dort angekommen sind, wo andere wieder hinstreben, sondern die auf diesem Gebiet die Ideen ihres Lehrmeisters pflegen und fortentwickeln, treffen im Fitz aufeinander. Der große, 2011 leider verstorbene Meister Albrecht Roser, der das Puppenspiel für Erwachsene erst salonfähig gemacht hat, ist der Geist hinter dieser Wunderkammer. Dabei sind Alice Therese Gottschalk, Raphael Mürle und Frank Soehnle selbst längst Meister ihres Fachs. Zu dritt haben sie das Spiel um die Wunderkammer entwickelt. Es gibt Platz für sinnliches Erfahren von Schwerkraft und Magnetismus. Im Zusammenspiel von Physik und Grazie wird Freiheit von Bewegung erfahrbar. Ausgehend von dem alten mythischen Begriff der Wunderkammer, der Idee in einer Sammlung den „universalen Zusammenhang aller Dinge darzustellen mit dem Ziel, eine Weltanschauung zu vermitteln, in der Geschichte, Kunst, Natur und Wissenschaft zu einer Einheit verschmelzen“, haben sie sich ans Werk gemacht. Und es passiert einiges auf der Bühne.

Ein spannender Abend mit skurrilen Figuren, spannenden Szenen, einem vielfältigen Einsatz der so wunderbar konstruierten Figuren erwartet den Zuschauer. Gebannt schaut man auf die fantasievollen Figuren, die scheinbar schwerelos ihre Kreise ziehen, bewegt von wahren Meistern am Spielkreuz. Dabei wird der Zuschauer gefangen genommen von dieser eigenartigen und doch schlüssigen Welt der Bewegung – gefesselt von der Magie der bizarren Körper, die da über die Bühne stapfen, schweben, tanzen oder schreiten, sich vereinigen oder wieder trennen. Dazu haben die drei Künstler ein perfekt durchgearbeitetes Programm gestaltet, mit genauer Dosierung des Lichts und vor allem einer hervorragenden Untermalung mit Musik von Michael Wollny und Tamar Halperin aus Wollnys Komposition „Wunderkammer“ sowie einer Neukomposition von Bradley Kemp. Und wenn am Ende sich das Panoptikum öffnet, alle Figuren und Requisiten auf der Bühne wie in einer Ausstellung zu sehen sind, bleibt nur schöne, tiefe Zufriedenheit.