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Zwischen Sein und Schein

erschienen am 15.12.2018 in Ludwigsburger Kreiszeitung
von Arnim Bauer

Das Figurenkombinat Stuttgart befasst sich in „Der goldne Topf" im Fitz mit Fake und Wahrheit

Unsere Welt ist kompliziert und komplex, dazu hat jeder sein eigenes Weltbild und immer mehr Menschen haben ein Problem damit, wie ihre wahre Realität aussieht oder aussehen soll. Und diese Fragen sind zwar akut, aber sie scheinen nicht neu zu sein, auch wenn sie sich heute in einem anderen Gewände zeigen als zu Zeiten, in denen E.T.A. Hoffmann sein erfolgreiches modernes Märchen „Der goldne Topf schrieb. Die Novelle erschien erstmals 1814 und auch in ihr finden sich schon die Motive der Suche zwischen Wirklichkeit, Wahrheit und Fiktion, zwischen einer fantastischen Welt und dem Geschehen, wie es Menschen erleben.

Für das Figurenkombinat Stuttgart bildet diese alte Geschichte die Basis, im Fitz in ihrer Version von „Der goldne Topf, der jetzt als Uraufführung dort zu sehen ist, darüber nachzusinnen, wie das heute so ist zwischen den Welten, zwischen Einbildung, Traum, Fantasie und ihren Ausläufern in die Realität. In der heutigen Zeit gibt es ein neues Modewort für manch eine Erscheinung: Fake. Man kann das profan als „Fälschung“ übersetzen, aber seine Bedeutung geht im Sprachgebrauch dann doch weit über das Materielle hinaus.

Das Figurenkombinat hat sich unter der Regie von Christian Müller Gedanken gemacht über die Welt, über Scheinwelten, über Fantasie- und Fluchtwelten und manches mehr. Ein vielseitiger Abend in jeder Beziehung.

Schon stilistisch geht es quer-beet durch Puppenspiel, Schauspiel, Live-Musik, Text- und Bildprojektionen, Materialtheater und manches mehr. Was sich zunächst mit Hoffmanns Erzählung zu befassen scheint, mündet über eine Art Dialog mit dem Publikum in eigene Betrachtungen, in eigene Gedankengänge. Natürlich kann und darf man von solch einer Arbeit keine philosophisch abgesicherte endgültige Antwort oder gar Wahrheit erwarten, nein, das Kollektiv mit seinen drei Spielern auf der Bühne arbeitet sich eher an manchmal durchaus schrägen Beispielen ab, macht kleine Laborversuche, begibt sich auf die Spur der Wahrheit und den Anspruch, jemals bei dieser anzukommen.

Das Leben ist nur ein Abbild

Dabei ist alleine durch die Vielfalt der Darstellungsformen gewährleistet, dass der Besucher gefesselt bleibt und aufmerksam dem manchmal verwirrenden Geschehen folgt. Wobei er allerdings auf manchen akustischen Beitrag wie die doch manchmal dilettantischen Musikeinlagen mit einem Schlagzeug, das zwar laut, aber musikalisch wenig ansprechend ist, oder den minutenlangen Pfeifton aus dem Off verzichten könnte.

Und er darf nie vergessen: Wir sind im Theater, wo das Leben eigentlich immer nur ein Abbild ist. Wovon? Man kann es auch nicht definieren, was Fake ist und was nicht, auch wenn plötzlich dais Plektrum fürs Gitarrenspiel fehlt. Realität oder Scheinwelt? Kleinigkeiten stehen für das große Ganze.