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Das Bildnis des Dorian Grey

„Hat Dorian Gray nicht beschämt seine Augen niedergeschlagen? Hat nicht die Maske des Lords verächtlich den Mund verzogen? Die Antwort lautet: Ja. Dass das faktisch nicht möglich ist, hindert einen echten Puppenspielprofi noch längst nicht, eine unbewegliche Miene zum Stirnrunzeln zu veranlassen.“

Schwärmerische Rezensionen wie diese in Theater der Zeit begleiten „Das Bildnis des Dorian Gray“ des Puppentheater Halle seit seiner Premiere. Kein Wunder, denn es ist schlicht frappierend, wie die Akteure die in leblos-starres Material gegossenen Physiognomien der Figuren nur durch minimale Gesten und geringfügige Wendungen des Kopfes jede erdenkliche emotionale Färbung zu verleihen vermögen.
Vorlage für die Hallenser Inszenierung ist der 1890 entstandene Roman Oscar Wildes vom jugendlich schönen Dorian Gray, dessen Wunsch nach unvergänglicher Schönheit zwar erfüllt wird, der aber, mit dem ‚Bildnis‘ seines inneren Verfalls konfrontiert, tragisch scheitert. Wo immer Wildes symbolisch-opulente Erzählung ausschweift, konzentriert Regisseur Christoph Werner die Handlungsführung auf ihre essentiellen Motive. Getragen von dem durch langjährige Ensemblearbeit gewachsenen, feinfühlig-präzisen Zusammenspiel der fast unsichtbar agierenden Spieler entspinnt sich vor dem Zuschauer ein Spiel von Begierde, Sehnsucht, Angst und Trauer.
„Das Bildnis des Dorian Gray“ war der umjubelter Höhepunkt auf vielen internationalen Figurentheaterfestivals und wurde auf der SYNERGURA 2000 mit dem Preis der Jugendjury ausgezeichnet.