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Sonne, Mond und Tiger

  • Sonne,mond,tiger

Das Koreanische Märchen von den zwei Geschwistern Sonne und Mond beschreibt die Raffinesse eines Tigers zu gutem Fressen zu kommen, und wie in Sonne und Mond ganz irdische Ängste zweier Kinder zum Leuchten kommen. Der Tiger begegnet der Mutter zweier kleiner Kinder und will sie fressen. Die Mutter, in ihrer Angst gibt dem Tiger nach und nach, weil er sie immer weiter verfolgt, alles was sie hat.

Erst das Essen, dann ihre Kleidungsstücke, dann ihre Arme, schließlich wirft sie sich selbst zum Fraß vor, um ihre Kinder zu schützen. Aber der Tiger will auch die Kinder dieser Mutter fressen, er benutzt die Kleidungsstücke der Mutter, die er gefressen hat. Die Kinder misstrauen zunächst diesem Wesen, in dem sie nicht ihre Mutter erkennen können, bis sie ihm doch ihre Türe öffnen. Vor Schreck über die nun demaskierte Mutter, die sich als ein reißendes hungriges Tier entpuppt, retten sie sich auf einen Baum. Der Tiger hetzt hinterher, rutscht immer wieder vom Stamm ab, bis das jüngste Kind ihm verrät, wie man hochklettert. Im letzten Augenblick rettet der Himmelskaiser die Kinder. Sie fühlen sich sehr wohl im Himmel aber haben nichts zu tun und langweilen sich, so gibt der Himmelskönig ihnen eine wichtige Aufgabe in seiner neuen Welt und er verwandelt sie in Mond und Sonne.

Dieses koreanische Märchen lässt Parallelen zu „Der Wolf und die sieben Geißlein“ erkennen, geht aber in der Härte wie in der Erweiterung zu einem Schöpfungsmythos viel weiter. Hier finden sich Grundmotive menschlichen Verhaltens, wie in allen Märchen. Angst, Misstrauen, Mut, Fressgier gepaart mit Raffinesse. Dieses Märchen macht deutlich wie aus dem liebsten, was man hat, der Mutter, ein Raubtier wird, dem man sich widersetzen muss, als Möglichkeit erwachsen zu werden.

In der Poesie des koreanischen Märchens mit seinen ungewohnten Bildern, Zeichen und Figuren leuchten tief in unserer Kultur verwurzelte Motive in fremdem, neuem Glanz. Eine Begegnung mit den Schnittstellen verschiedener Kulturen und ihrer gemeinsamen Herkunft.