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28. Dezember 2020

TakeCareResidenzen Esther Falk

Esther Falk, Figurenspielerin und Figurenbauerin, Stuttgart

Sex and the puppets - eine Annäherung

Seit Corona: körperliche Nähe ist gefährlich! Keine Umarmung, keine Küsse. Abstand! Alle menschlichen Körper sind potentiell gefährlich. Eine Lösung muss her: Also was ist mit Puppen? Eine Recherche zur Fragestellung "wie unterscheiden sich eine männliche und eine weibliche Perspektive auf das Objekt/Puppe und den Umgang mit Intimität?" anhand von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"


10.03.21 Zwischenresümee

1. Wie geht es deinem Projekt mit dir?

Das Projekt wurde langsam von mir erobert. Ich kam wie ein Alien von ziemlich weit her. Aber die Annäherung ist gelungen. Das Projekt wurde von sehr vielen unterschiedlichen Seiten untersucht und fühlt sich ziemlich unter die Lupe genommen. Jetzt, in der Mitte der Zeit, ist es in meinem Kopf angekommen, hat sich dort ausgebreitet und fühlt sich dort ziemlich wohl. Auch weil es durch viel Input ständig sehr gut ernährt wird. Es wächst und wächst und wächst über meinen Kopf hinaus und will jetzt in der zweiten Recherchephase strukturiert werden und Formen der Umsetzung erfahren.

Was hat dich in den ersten vier Wochen am meisten überrascht?

Die Recherche einem Thema zu widmen, das sehr weit von mir weg ist und mir die Zeit zu gönnen mich dem Thema nicht sofort im Atelier und auf der Bühne zu widmen, sondern erstmal durch Bücher, Gespräche, Internetrecherche und Interviews ist eine neue und für mich eher fremde Herangehensweise. Mich hat dabei überrascht wie lebendig, vielfältig und anregend diese Art von Recherche sein kann. Wie aufregend und überhaupt nicht langweilig.

Überrascht hat mich auch, dass ich permanent mit sehr klassischen Männer- und Frauenbildern konfrontiert werde. Der zeitgemäße Blick auf Genderfragen tritt dabei in den Hintergrund und die klar kategorisierten Männer- und Frauenbilder geben Perspektiven vor, die ich lange überwunden glaubte.

Gerade Männer in anonymen Chatgruppen im Internet zeigen Denkstrukturen und Abgründe, mit welchen ich in meiner näheren Umgebung nicht in Berührung komme. Ich betrete mit dieser Recherchearbeit wirklich fremde Räume und bin auch, zugegebenermaßen fasziniert von so viel unterschiedlichen Welten, mag ich sie nun mögen oder nicht.

Kannst du etwas beschreiben/zeichnen/fotografieren, das du in zweite Hälfte deiner Residenz mitnehmen würdest? Warum gerade dieses?

Das Thema schien mir anfangs sehr fremd und irritierend. Über die Zeit habe ich es immer mehr an mich herangezogen und bin auf zwei Aspekte gestoßen, die mich sehr interessieren:

Ich habe herausgefunden und mich erinnert, dass mein Großvater mit zwei Schaufensterpuppen zusammenlebt und angefangen in meiner eigenen Familie zu forschen. Ich bin auf einige Tabus gestoßen und auf die Themen Einsamkeit und Nähe.

Diese tief menschlichen Themen möchte ich in die zweite Hälfte mitnehmen.

Ich bin auf die Puppenmacherin Hermine Moos gestoßen, die den Auftrag des Künstlers Kokoschka erhalten hat, eine lebensechte, sehr genau beschriebene Puppe zu bauen mit der er dann zusammengelebt hat. Nach der Fertigstellung der Puppe wurde Hermine Moos von Kokoschka niedergemacht und ihre Arbeit wurde von ihm als schlecht und fürchterlich bewertet. Mit 40 Jahren beging sie Suizid. Diese Puppenmacherin ist ziemlich in der Versenkung verschwunden und wurde von der Journalistin Justina Schreiber, mit der ich in Kontakt stehe, wieder in Erinnerung gerufen. Die Biographie dieser Puppenmacherin werde ich weiter untersuchen. Da das Thema aus männlicher Perspektive sehr viel Material bietet und ich lange Zeit in meiner Recherche nur auf männliche Perspektiven gestoßen bin, musste ich ziemlich graben und um Ecken denken, um weibliche Stimmen und Perspektiven zu entdecken. Deshalb interessiert mich die Perspektive dieser Puppenmacherin.