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Simone Demandt, Angela Milosevic und Lisa Thomas

18. Februar 2021

TakeCareResidenzen Lisa Thomas

Lisa Thomas, Tänzerin und Choreographin, Stuttgart

Alte Puppe (AT)

"Alte Puppe" ist, vom Tanz ausgehend, eine intergenerative Recherche zur Kommunikation mit und durch den älteren und alten Körper. Durch die aktuelle Vorgabe, Abstand zueinander zu halten ist die tänzerische Praxis im Kern getroffen sowie die natürlich spontane Begegnung zwischen Generationen. Mittel des Materialtheaters sollen einen sinnlichen Zugang zu Themen der Risikogruppe herausstellen.


18.02.2021

1. Wie geht es deinem Projekt mit dir?

Also das Projekt ist zufrieden mit mir. Ich bin mir schon ziemlich auf den Pelz gerückt, sprich in die Nähe geraten! Und zwar in radikalerer Sichtweise als sonst: objektiv - nüchtern, radikal und zart.

Drei KünstlerInnen haben intensiv Anteil genommen, bzw. ihr Auge auf das Projekt geworfen und es war sehr angetan von dieser besonderen Aufmerksamkeit. Das Projekt hat mich auch entlastet, was die Beschaffung/Kauf von Material angeht. „Es hinge schon so diverses Material an mir dran“ (Ich finde dies etwas frech, aber pragmatisch!) also: das eigene Gewebe, ergänzt durch Wolle und Synthetik sowie ein geliehener dritter künstlicher Arm mit Hand.

2. Was hat dich in den ersten vier Wochen am meisten überrascht ?

Besonders überrascht hat mich die Verwandlungsfähigkeit meines Körpermaterials und die Perspektive darauf im Sinne eines Potentials sowie eine neue Liebe zu einem extrem unscheinbaren Rollkragenpullover!

Das Überraschende war auch, dass der künstlerische Zugang zu meinem Thema soviel Zeit mit einem Spiegel erforderte. In meiner Form von Tanzkunst haben Spiegel drei Jahrzehnte lang tatsächlich keine so große Rolle gespielt. Jetzt habe ich geguckt und geguckt, wie mit der Lupe, sezierend!

Das zweite Überraschende war der positive und selbstverständlich offene Austausch mit zwei Kolleginnen einer jüngeren Generation des Figurentheaters und einer Künstlerin aus dem Bereich Fotografie und Film. Sie machten mir das Geschenk einer wunderbaren Neugier, eines Blumenstraußes voller Arme und Bilder aus dem ersten Abschnitt der Recherche!

In meinem Thema: Nähe – Intimität - Berührung – Alter - Haut steckt etwas Schonungsloses im positiven Sinne. Die Frage, wie aktuell Ästhetik in der professionellen Tanzkunst älterer Darsteller*innen verhandelt wird, interessiert mich auf eine neue Weise dringlich!

3. Kannst du etwas beschreiben/zeichnen/fotografieren, das du in zweite Hälfte deiner Residenz mitnehmen würdest? Warum gerade dieses?

Ich nehme diese Aspekte von Berührung und Ästhetik mit in die nächsten vier Wochen und in den kollegialen Austausch.

Es gibt im professionellen Tanz im Gegensatz zur Performancekunst und Theater für alte DarstellerInnen nur eine sehr eingegrenzte Form von ästhetischer Darstellung. In dieser Richtung möchte ich den Körper und mein Material weiterhin interdisziplinär untersuchen hin auf die Aspekte von Berührung und Nähe und mit dem Wunsch, weitere Überraschungen zu erleben.

Interdisziplinärer Austausch mit Sarah Chaudon, Esther Falk: Figurentheater, Sabrina Schray: Video, Simone Demandt:  Fotografie