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Wenn der Wind erzählt

Premierenbericht: Kopfüber - Kopfunter
erschienen am 05.10.2012 in Stuttgarter Nachrichten
von Brigitte Jähnigen

Willst du ein nobles Haus oder einen Stall voller Kinder? Diese Frage stellte einst Mr. Banks seiner Liebsten. Die Antwort zeigt Suzan Smadi: Aus ihrem dicken Erzählbuch zieht sie ein schäbiges Papphaus. Das Publikum versteht und lacht. In wechselnden Rollen erzählt Smadi in „Kopfüber – Kopfunter“ die Geschichte von Mary Poppins, die als Nanny zu den Banks kommt. Klitzekleine Utensilien im Puppenstubenformat, handgroße Puppen, winzige Stabfigurenund eine feine Klavier- und Glockenmusik helfen ihr dabei. Alles wirkt auf liebenswürdige Weise verstaubt, Smadi in Schnürstiefeln und Schößchenjacke wie eine Figur aus alten Zeiten, soeben dem Märchenbuch entstiegen. Als Handtaschenmusical firmiert die Koproduktion von Hör- und Schaubühne, Figurentheater Stuttgart und Künstlerhaus Vorpommern. Jedoch: Zwar hat Oliver Prechtl eine schöne Musik erfunden, doch singt Suzan Smadi selten und auch nicht sehr überzeugend. Doch ihr Erzähltalent und die Zauberwelt der Ausstattung aus Oliver Köhlers Werkstatt gleichen den Mangel (fast) aus. Der Wind weht die Protagonistin in die Erzählwelt, und der Wind wird es sein, der sie wieder von der Bühne treibt. Jane und Michael, die ältesten Kinder der Banks, sind den kleinen Zuschauern ziemlich nah. „Ich bin böse“, trotzt Michael; Mary Poppins führt ihn zu Mr. Kuddelmuddel, bei dem am ersten Mittwoch des Monats alles schiefgeht. Kopfunter hängt die Figur an einem Schirmgriff und seine gemütliche Sitzecke genauso schief an der Tür eines Puppenschranks. Auch die Welt der Erwachsenen gerät eben gelegentlich aus den Fugen.