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Aberwitzig-wundervolles Tryout von „Kasperls Wurzeln“ im Westflügel

Es ging ums Ganze an diesem Abend: um Geburt und Tod, Leben und Sterben...
erschienen am 31.08.2009 in Leipziger Volkszeitung

…tatsächlich führt Molnárs Schöpfungsgeschichte auf direktem Wege zum Kaspertheater. Dieses haben auch noch seine Urahnen erfunden und ihm die Puppen vermacht. Leider fraßen Zeit und Motten am Ensemble, so dass dem Wolf die Arme fehlen und der Kasper gleich ganz verschwunden ist. Dem Kaspertheater fehlt ein Kasper, also muss ein Casting unter den übrigen Figuren stattfinden, denn „das hier ist Theater- hier ist jeder austauschbar“…

Was Molnár dann auffährt ist so aberwitzig, dass es einem den Atem verschlägt. Ein großer beweglicher Kasten – genannt das „Theaterchen“- bietet vier Bühnenbilder, auf denen sich wahnwitzige Szenen abspielen: vom Tanz der Taschentuchseelen über eine wahre Orgie im höllischen Fluss des Vergessens bis hin zum misslungenen Suizid des Todes selbst.

Dieser Theaterabend ist eine Tour de Force, eine höllische Gradwanderung durch die Untiefen der menschlichen Seele zwischen schrecklich und komisch, wie es nur ein Kaspertheater à la Molnár zustande bringt und an dessen Ende man nachzudenken beginnt, ob die Hölle wirklich die anderen sind…