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Eine Karikatur der Dummheit

'Des Kaisers neue Kleider' im Figurentheater Fitz
erschienen am 04.03.2013 in Stuttgarter Nachrichten
von Horst Lohr

Auf engstem Kaspertheater-Raum krankhafte Eitelkeit kindgerecht satirisch bloßzustellen ist eine besondere Kunst. Die Figurenspielerin Ilsebyll Beutel-Spöri vom Kleinen Spectaculum aus Asperglen beherrscht sie. Ohne den pädagogischen Zeigefinger zu heben, schafft sie mit ihrer Handpuppen-Riege ruhige Bilder aus Erzählung und Szene mit viel Platz für kindliche Fantasie. Eine knappe Stunde lang verfolgen die Zuschauer ab fünf Jahren im  Fitz gebannt die von Ute Getta-Assef inszenierte Geschichte von ‚Des Kaisers neue Kleider‘ nach dem Märchen von Hans Christian Andersen.
Mit blitzschnellen Wechseln des Tonfalls erweckt die unsichtbare Spielerin die von Dorothee Löffler gebauten, prächtig ausstaffierten Puppenwinzlinge mit ihren Knollen- und Hakennasen als unverwechselbare Charaktere. Ein furchtsam-dreistes Betrüger-Duo kreiert an einem Miniatur-Webstuhl scheinbar edle Kleiderstoffe für den Kaiser. Als einfältige Speichellecker umschleimen Minister und Kammerdiener den Potentaten und lobpreisen die Farbenpracht des von den Betrügern gewebten Nichts. Sehenswert ist das Bühnenbild von Kurt Spöri, das mit Andeutungen von bürgerlicher und kaiserlicher Welt die Fantasie kitzelt: Eine kleine Platte symbolisiert im Wechsel Fassade und Schankraum eines Gasthauses. Die Verschwendungssucht des Kaisers ist in einem Spiegelschrank verdichtet.
Besonders gut gefällt das als lächerliche Pose von Arroganz choreografierte Schlussbild: Die Miniaturbühne hat sich in eine Straße verwandelt. Hinter einem Schutzschild aus Minister und Kammerdiener paradiert der Kaiser-Winzling in seinen unsichtbaren Prachtgewändern – eine knubbelige Karikatur nackter Dummheit. Ihre Blöße wird von einem Häuflein braver Puppen-Bürger pflichtschuldig bewundert. Bis ein kleines Mädchen den Schwindel entlarvt: ‚Aber der Kaiser hat ja gar nichts an.‘