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Es muss nicht immer Süßes sein

Im Fitz: "Das unsichtbare Kind"
erschienen am 06.10.2005 in Stuttgarter Nachrichten
von Horst Lohr

Theater macht’s möglich: Am Ende der Vorstellung geschieht, womit keiner rechnen durfte. Als hätten sie Tagelang hungern müssen, stürmen kleine Zuschauer die Bühne, um eine Tasse der köstlich duftenden Gemüsesuppe zu ergattern, die in einem Kochtopf brodelt. Und manche Eltern stellen erstaunt fest: Es muss nicht immer Süßes sein. Scheinbar ganz nebenbei hat die Darstellerin Ines Müller-Braunschweig während ihres Spiels die Brühe bereitet. Angeblich für die Heldin ihrer Geschichte, ein kleines Mädchen, das nach dem Tod seiner Eltern, verfolgt von einem bösen Drachen, auf der Suche nach einem Zuhause von Stadt zu Stadt zieht. Doch überall werden der Kleinen die Türen vor der Nase zugeschlagen. Bis sie in einer einsamen Hütte einer alten Frau begegnet.

„Das unsichtbare Kind“ nennt das Stutt garter Zikade-Theater seine von Christiane Zanger für Zuschauer ab sechs Jahren insze nierte Bühnenerzählung von kindlicher Unbeugsamkeit, sich im Leben zu behaupten. Zwar wirkt die Geschichte stellenweise recht konstruiert, und ihre Sprache müht sich zu sehr um den kunstvollen Märchenduktus von gestern. Doch die Spielerin versteht es, die kleinen Zuschauer in ihren Bann zu ziehen, wenn sie das Raunen des Geheimnisvollen in ihre Stimme legt und mit geschickten Fingern Kieselsteine in eine Schar fröhlich spielender Kinder verwandelt.