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Im Labyrinth der Verblüffung

Mit „HexenHüttenTraumPaläste“ geht das Post Theater im Figurentheater Fitz den Gebäuden aus den Grimm-Märchen nach
erschienen am 11.06.2018 in StZN
von Julia Lutzeyer

Die freie Gruppe Post Theater, die für experimentelle Performances und Medienkunst steht, macht ihrem Namen alle Ehre. In Kooperation mit dem Fitz-Figurentheater präsentiert sie unter dem Tagblattturm ein Stück über die Behausungen grimm’scher Märchenfiguren, das mit herkömmlichen Bühnenerlebnissen nicht zu vergleichen ist. „HexenHüttenTraumPaläste“ will vieles zugleich sein: eine Architekturausstellung, ein Theaterstück, eine Trickfilminstallation und eine „Märchitektur für Menschen im Alter von 6 bis 106“. Dementsprechend gemischt ist die Gruppe der pro Rundgang maximal zwölf Teilnehmer, die sich vor dem Theater an einer Bodenuhr trifft und nach Alter auf die angezeigten Uhrzeiten sortiert wird. Derart märchenhaft aufgestellt lauscht die Gruppe einer Einführung per Kopfhörer und betrachtet per 3D-Brille Scherenschnitte in der Tradition von Johanna Beckmann, der Meisterin dieser Illustrationskunst.

Nach diesem sinnlichen Auftakt geht es im Foyer trügerisch sachlich weiter. „Welche Grimm-Märchen kennt ihr?“ sagt die Performerin Mareile Metzner in Gestalt einer kostümierten Museumsführerin, um ihre Zuhörer abzuholen, und referiert vor erklärungsbedürftigen Plakaten, dass in rund achtzig Prozent der zweihundert Grimm-Märchen Gebäude erwähnt sind: vom ärmlichen Nachttopf über die Mühle, Höhle und Hütte im Wald bis hin zum Schloss. Die Runde erfährt, dass ein Großteil der Behausungen in Frauenhand ist und die Immobilien am Ende stets vererbt werden. Auf Postern ist unter anderem das Lebkuchenhaus aus „Hänsel und Gretel“ zu sehen, so wie es vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, in einer Immobilienanzeige feilgeboten worden sein soll. Je länger man den Ausführungen der kundigen Dame mit der schmeichelnden Erzählstimme zuhört und je tiefer man ihr in die Katakomben des Tagblattturms zu eigenartigen Objekten folgt, desto deutlicher entpuppt sich der Ausstellungsrundgang als gewitzte Irreführung. Dem Publikum wird hier so manches Märchen aufgetischt.

Und doch staunt man über die Rolle der Gehäuse in den Märchen. Weniger verblüffend, da arm an szenischer Verzauberung, ist der Parcours an sich. Dass es nicht genügt, die Besucher in Gucklöcher schauen zu lassen, in denen allenfalls ein Figürchen zu sehen ist, offenbart der jüngste Gast. Ein Junge im Vorschulalter langweilt sich grässlich und ganz zu recht. Denn dieser Wust an (Des-)Information mag für ältere Semester entwirrbar sein, ersetzt für die Kleinsten aber keine packende Inszenierung. Als am Ende doch noch ein Märchen erlebbar wird, ist der Geduldsfaden schon gerissen. Schade, denn die Grundidee von „HexenHüttenTraumPaläste“ ist fürwahr zauberhaft.