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Kichern vor Kampfhunden

erschienen am 14.01.2005 in Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten
von mcm

„Freischwimmer“ im Fitz. – Zwei konservativ gekleidete, clownsartige Frauen (Alexandra Kaufmann, Annette Scheibler) spielen in „Freischwimmer“, am Mittwoch von Gyula Monar im Fits inszeniert, den Inhalt eines Berichts des Magazins „Der Spiegel“ nach. Sie wollen wie die Nonnen, von denen berichtet wird, in eine Atomraketenbasis eindringen, um zu protestieren. Dabei warten sie fast den ganzen Abend lang, mal zitternd, mal hysterisch, darauf, erwischt zu werden.

Die Produktion des Ensembles Materialtheater ist der Versuch, absurde Handlungselemente und zeitgeschichtliche Reizthemen zu verbinden: ein weiter Interpretationsspielraum, der die Gefahr der Beliebigkeit birgt. Zu Beginn kommen die Stimmen der Frauen aus dem Dunkel und hadern miteinander; und die Zuschauer schießen Kichersalven in den Theaterhimmel. Bei eingeschaltetem Licht kreisen die Frauen auf der leeren Bühne um einen roten Milchtopf, unter dem die Raketen liegen und lauern auf die Ankunft der Wache und der Hunde.

Sie werden tatsächlich von den Tieren zerrissen, erscheinen gleich darauf im Himmel: in hautengen, einteiligen Trikots (für das Fußballspiel gegen die Himmelkampfhunde), dabei erinnern sie an die Skulpturen von Niki de Saint Phalle – ein schöner Moment. Wie auch dieser Anblick: Der Synchrontanz der Frauen. Sie erinnern in ihrem Habitus an Stan und Ollie, leider dauert er lediglich ein paar Sekunden.