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Märchen in Stuttgart

Maren Kaun in Der Froschkönig
erschienen am 04.02.2012 in GOODNEWS

GOOD NEWS: Sie haben an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart studiert und einen Abschluss als Figurenspielerin. Was hat Ihnen gerade am Fachbereich Figurentheater gefallen?

Maren Kaun: Grundsätzlich interessiert mich am Figurentheater die Verbindung zwischen darstellender und bildender Kunst. So können Emotionen und Zustände nicht nur sprachlich, sondern auch bildlich dargestellt werden. Diese Mischung spricht mich persönlich emotional wesentlich stärker an, als beispielsweise das reine Schauspiel.

GOOD NEWS: Seit Ihrem Abschluss sind Sie Figurenspielerin im Bereich des Kinder- und des Erwachsenentheaters, also für zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen. Wie kam es dazu?

Maren Kaun: In den letzten Jahren habe ich sehr viel für Kinder gespielt, da das Publikum bei Figurentheater eher an Kinderinszenierungen als an Abendstücke denkt. Für Kinder gibt es auch wesentlich mehr Spielstätten als für Erwachsene. Ich spiele für Kinder als auch für Erwachsene gleich gern, es besteht natürlich ein großer Unterschied in der Herangehensweise an die Stoffe und die Umsetzung. Genau das macht für mich den Reiz aus.

GOOD NEWS: Und was ist gerade am Figurenspiel für Kinder das Besondere?

Maren Kaun: Kinder sind in ihren Reaktionen sehr authentisch und ehrlich. Sie reagieren sehr direkt und emotional auf das gerade Gesehene beziehungsweise auf das, was gerade passiert. Das gefällt mir sehr, und ich bin sehr gerührt wenn gerade kleine Kinder, die sich noch nicht so ausdrücken können, mir noch ein klebriges Bonbon in die Hand drücken, um sich auf ihre Art zu bedanken.

GOOD NEWS: Welche Stücke haben Sie denn schon für Kinder gespielt?

Maren Kaun: „Die kleine Raupe Nimmersatt“’, „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“, „Der Froschkönig“ und „Die Weihnachtsgeschichte“ sind aktuell im Programm.

GOOD NEWS: Wie kamen Sie dazu, „Der Froschkönig“ auf die Bühne zu bringen?

Maren Kaun: Bisher habe ich ihn im Mannheim gespielt und bin im März damit in Österreich beim Welser Figurentheaterfestival eingeladen. Die Grundidee habe ich selbst entwickelt. Der Regisseur Martin Bachmann, der Musiker Johannes Frisch und der bildende Künstler Alexander Knüttel haben mir geholfen es so zu realisieren, wie es jetzt auf der Bühne steht. „Der Froschkönig“ ist eines der bekannten Grimmschen Märchen. Ich mag Märchen sehr gern und es ist mir wichtig, dass Kinder die Sprache der Märchen erfahren und die Verhaltensregeln eines Kulturkreises kennenlernen. Zudem ist es von Bedeutung, dass Geschichten erhalten bleiben. Wenn sie die Inszenierung von „Der Froschkönig“ sehen, wird der eine oder andere vielleicht doch wieder zum Märchenbuch greifen und etwas daraus lesen oder vorlesen.

GOOD NEWS: Und wie entstand die Zusammenarbeit mit dem Fitz in Stuttgart?

Maren Kaun: Durch mein Studium in Stuttgart habe ich bereits während der Studienzeit Kontakte mit dem Fitz geknüpft und ich hatte das Glück, dass dieses bisher fast alle meine Inszenierungen in den Spielplan aufgenommen hat. Zudem fand ein Großteil meiner Premieren dort statt.

GOOD NEWS: Hält sich Ihr Froschkönig ganz an das Original der Gebrüder Grimm?

Maren Kaun: Meine Inszenierung hält sich sehr stark an die Fassung der Gebrüder Grimm. Bei mir wird aber zusätzlich erklärt, wie der Prinz zu einem Frosch wurde. Die Fee, die im Märchen nur als „böse Fee“ bezeichnet wird, reagiert auf das Verhalten des Prinzen indem sie ihn verzaubert. Er benimmt sich arrogant und kommandiert seinen Diener den „treuen Heinrich“ herum. Zudem verspottet er die Fee. Daraufhin wird er in einen Frosch verzaubert.

GOOD NEWS: „Der Froschkönig“ wurde schon auf viele verschiedene mediale Arten umgesetzt. Sei es als Film, Hörspiel usw. Was ist die Herausforderung, wenn man das Märchen im Figurentheater spielt?

Maren Kaun: Für jedes Medium muss man die für sich passende Umsetzung finden, aber auch im Figurentheater gleicht keine Inszenierung des „Froschkönigs“ der anderen, da jeder Spieler einen sehr individuellen Ansatz zur Gestaltung des Stoffes hat. Ich spiele den Froschkönig in einem überdimensionierten Kleid, aus dem die Figuren auftauchen. Das Bühnenbild ist zugleich mein Kostüm. Ich halte mich bei Märchen gerne so gut wie es geht an das Original, soweit man das bei Märchen überhaupt sagen kann. Aber ich bleibe bei den Archetypen und verändere das Märchen nicht in seiner Grundaussage.

GOOD NEWS: Was denken Sie gefällt Kindern am Figurenspiel „Der Froschkönig“?

Maren Kaun: Ich denke den Kindern gefallen die Figuren, das riesige Kleid und die Umsetzung, die das Märchen kindgerecht erzählt.

GOOD NEWS: Vielen Dank für das Interview!