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Raum aus Gummibändern

Das Figurentheaterstück "Carambolage" über Oskar Schlemmer
erschienen am 23.09.2008 in Stuttgarter Zeitung
von C. B.

Mit Händen beginnt das Stück, mit Händen endet es. Hände, das Werkzeug des Malers, erscheinen über einer Tischplatte, bewegen sich geschmeidig. Vor der Platte steht ein Podest, das ist die Bühnenausstattung der Produktion „Carambolage“ des Stuttgarter : Wanke-Ensembles und des Figurentheaters Tübingen. Jetzt hatte das Stück (Regie: Frank ! Soehnle und Enno Podehl) im Fitz Premiere.

Es geht um den Bauhäusler Oskar Schlemmer, den Maler und Bühnenkünstler. Robert Atzlinger spricht Schlemmer-Sätze, die oft auf witzige Weise übertheoretisch klingen (Texte: Helmut Landwehr und Robert Atzlinger). Karin Ould Chih tanzt. Bisweilen aufregend, etwa wenn sie mit sechs dünnen, drei Meter langen Stangen agiert. Da gelingt die Verschmelzung abstrakter Formen – die Stangen stehen schlicht für Linien – mit dem bewegten menschlichen Körper. Atzlinger zieht Gummibänder zu einem Raum zusammen. Karin Ould Chih tanzt in einem Glockenrock, doch ihr Kleid hat eigentlich vier Röcke, und irgendwann ist keine tanzende Frau mehr zu sehen, sondern nur noch ein seltsames Ding, das sich bewegt. Da glückt Bühnenzauber. Im Hintergrund werden auf eine Leinwand Formen und Texte projiziert. Es geht um den neuerungsbesessenen Künstler Schlemmer und auch um die traurigen letzten Jahre des von den Nazis Verfemten. Sylvia Wanke hat neben diversen Objekten auch Figuren und Masken gebaut, die dem Stück Komisch-Schräges hinzufügen. Nicht jede Idee des Stücks gerät verständlich, doch das Strenge und Karge des Schlemmerschen Formwillens wird augenfällig. Umwerfend gut ist die eigens für das Stück komponierte Musik von Johannes Frisch und Stefan Mertin, raffinierte und manchmal düster-unheimliche Klänge, die diese Produktion aus Text, Bewegung und Objekten erst zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk machen. C. ß.