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Sandkastenspiele um ein unfertiges Schillerdrama

Vanessa Valk beschreitet mit "Mannas Fluch" wieder ein Stück Neuland
erschienen am 12.03.2005 in Ludwigsburger Kreiszeitung
von Arnim Bauer

Stuttgart – Friedrich Schillers letzte Arbeit, die er vor seinem Tode auch nicht fertig stellen konnte, ist das Drama „Demetrius“. Dieses bildet die Grundlage von Vanessa Valks Performance „Marinas Fluch“, das im Fitz uraufgeführt wurde.

Der Titelheld Demetrius war ein in Polen zum Tode verurteilter russischer Flüchtling, der durch wundersame Umstände und mit Unterstützung der polnischen Adligen Marina 1606 den Zarenthron bestieg, weil man glaubte, er sei der wohl 1591 ermordete rechtmäßige Thronerbe. Schillers Drama gedieh bis zum 2. Akt, Vanessa Valk lässt die Anmerkungen des Dichters aus dem Off verlesen und macht sich an ihre eigene Untersuchung des „Falles“. Dies zusammen mit dem russischen Schauspieler Boris Iwuschin und unter der Regie des Ukrainers Andrej Kritenko, bekannt auch vom Theaterhaus.

Die Trägerin des Stuttgarter Theaterpreises 2003, federführend in dieser Produktion, geht dabei konsequent ihren Weg der Erschließung neuen Terrains fürs Theater weiter. Wie schon in ihren anderen Stücken spielen Puppen eine Rolle, aber diesmal weitaus weniger als in früheren Stücken. Dafür greift sie diesmal auf Videoprojektionen zurück. Und weil diese eng verwoben sind mit den Spielszenen auf dem Sandviereck, weil sie darauf projiziert werden, entsteht eine geschlossene Darstellung, in der alle Elemente, zu denen auch die Musik gehört, sich ausgezeichnet ergänzen. Das ist die Qualität dieser Arbeit, ungeachtet der Tatsache, dass auch dieses Stück eher fragmentarisch bleibt, dass es viele Fragen, formal und inhaltlich, bewusst offen lässt und auch einige dramaturgische Schwächen offenbart.

Trotzdem entsteht eine meist düstere Collage, die sich anschaut, als sei man dieser rätselhaften Marina, die eine zentrale Rolle spielt, immer auf der Spur, ohne dass man sie zu packen bekommt. Schade, dass der Sandkasten, der die Spielfläche markiert, nur leicht schräg gestellt ist und so von etlichen Plätzen aus die Projektionen schlecht einsehbar sind.