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Sichten auf die Modewelt

Das Figurentheater Anne-Kathrin Klatt über Kleidung, Körper und Krieg
erschienen am 16.02.2019 in Ludwigsburger Kreiszeitung
von Arnim Bauer

STUTTGART. Mode, Körper, Krieg. Um diese drei Begriffe bewegt sich die neue Produktion der Tübinger Figurentheaterspielerin Anne Kathrin Klatt, „Glamour Phoenix – fashion & war“, die am Donnerstag im traditionsreichen Stuttgarter Zentrum für Figurentheater, Fitz, ihre Uraufführung erlebte. Mode und Körper, dazu gibt es sicher jede Menge Assoziationen. Mode schützt den Körper, sie bedeckt ihn, sie wärmt ihn, sie gibt vor, ihn zu verschönern. Keine Frage ist es auch, das Körper und Krieg miteinander zu tun haben. Denn der Körper ist, egal bei welcher Art von Krieg, höchst gefährdet. Aber Mode und Krieg?

Anne-Kathrin Klatt ist, wie sie schreibt, auf die zunächst seltsame Trilogie gekommen, als sie über Lee Miller gelesen hat. die zu ihrer Zeit eines der erfolgreichsten Covergirls der Vogue gewesen sei, ehe sie 1944 als weibliche Kriegsreporterin mit den amerikanischen Truppen nach Europa ging. Die Gedankengänge, die Klatt daraus entwickelte, auch indem sie viele festgefügte Bilder ins Wanken bringt, ergeben auf der Bühne des Fitz ein fantasievolles Bild. Mode ist eben nicht nur Schönheit. Mode ist Statussymbol und Makel in einem, Mode ist Individualität und Uniformität zugleich, Mode verhüllt und verrät, Mode selbst ist Krieg.

Atemberaubende Kostüme

Das alles verpackt Klatt in eine Revue, deren Hauptsäulen zum einen die nahezu sensationellen Kostüme sind, die von der in Ludwigsburg lebenden, im polnischen Krakau geborenen Bildhauerin und Performerin Justyna Koeke entworfen wurden. Schrill, schräg, absurd, wild und bunt setzt sie ganz eigene Zeichen, wenn sie Anne-Kathrin Klatt mit diesen atemberaubenden neuen Kreationen bekleidet.

Diese schwebt dann als elfengleiche Karikatur eines Models über die Bühne, wobei deutlich die tänzerische Ausbildung zum Tragen kommt, die sie absolviert hat. Egal in welcher Situation, egal in welchem Zusammenhang, sie zeigt ein Model, entfernt von der Realität, ein Model in der Welt der Mode, im Dschungel der Catwalks, die nur optisch so klar und gerade verlaufen. In stetig wechselnden Szenen finden wir uns im Krieg um Kundschaft, im eitlen Kampf um Schönheit, in der Sklaverei der Models und in der Ausbeutung der Produzenten von Mode wieder.

Die Gefahren dieser Art der Darstellung, die den Spieler, die Spielerin in den Mittelpunkt stellt, zeigt diese Produktion allerdings auch. Michael Miensopust, der für die Regie verantwortlich zeichnet, spielt auch mit und gibt einen offensichtlich überforderten Fashion-Manager. Dramaturgisch bildet er einen Gegenpol zur schwebenden Modelfigur. Leider vermag er, wie es öfters im Figurentheater beim Einsatz von Sprechrollen geschieht, nur schwer zu überzeugen. Und so ist dieses Stück mit den sagenhaften Kostümen nicht ganz ohne Wermutstropfen, bleibt aber dank der feingliederigen detailreichen Arbeit mit Musik, mit dem Licht, mit den Videobildern, sehr sehenswert.