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Stefanie Oberhoff spielt sich und ihr digitales Double

erschienen am 03.12.2004 in Stuttgarter Zeitung
von adr

Die Dame hat ein Konzept. Sie will sich ideal, perfekt, korrekt präsentieren. Aber was heißt ideal? Da sie es selbst nicht weiß, kommt Stefanie Oberhoff vorerst nicht auf die Bühne. In ihrem Solostück „Das Konterfei – Wer bin ich, oder was ist meine Mission?“ bleibt sie hinter einer Pappwand -verborgen und streckt nur gelegentlich ein Bein, eine Hand oder ein Objekt heraus. Im vergangenen Jahr war die Stuttgarter Künstlerin Stipendiatin an der Akademie Schloss Solitude, ebendort hat sie nun ein Programm herausgebracht, das wundersam, waghalsig und vor allem wahnsinnig witzig ist.

Oberhoff ist auf der Suche nach dem Ich. Eh sie es gefunden hat, taucht eine Doppelgängerin auf: eine zweite Steffi auf dem Bildschirm eines Laptops. „Ich bin auch Künstlerin“, sagt Steffi II., „vielleicht sogar die bessere.“ Es beginnt ein feindliches Spiel zwischen Ich und Ich, das zugleich ein tolles Experiment ist, bei dem geschickt mit Raum, Zeit, mit Realität, Virtualität und Illusion gespielt wird. Hier die Stimme Oberhoffs aus dem Off, dort ihr digitales Abbild auf dem Bildschirm. Die Technik wird virtuos eingesetzt, die Computerbilder werden tollkühn manipuliert, aber es ist kein Hightech-Theater, sondern eine persönliche, charmante und intelligente Annährung an das eigene, künstlerische Ich und den Mythos des Künstlers.

Viel Humor und Erfindergeist stecken in diesem Materialtheater, allerdings ist es dem Regisseur Christoph Bochdansky nicht gelungen, Rhythmus und Inhalt perfekt aufeinander abzustimmen, die oft genialen Einfälle noch effektvoller herauszuarbeiten. Aber das Unperfekte ist letztlich Programm- und als Oberhoff nicht weiß, wie sie zum Schluss kommen soll, ruft sie eine Freundin an, die durch den Hörer mit dem Publikum spricht. „Hallo, sind Sie noch da? Wir könnten ja etwas zusammen singen …“ (adr)