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Von Ferkeleien und Rampensäuen

Köstlich böse: Im Fitz ist die Satire ' Kreuzzug der Schweine' des Schweizer Figurentheaters Vagabu zu sehen
erschienen am 06.04.2013 in Stuttgarter Nachrichten
von Horst Lohr

Was würde wohl Papst Franziskus dazu sagen, wenn zwei Schweine kirchlich heiraten wollten? Und das, obwohl sie gleichgeschlechtlich und zu allem Übel auch noch kastriert sind? Die kleine Puppenratte im Fitz sieht darin kein Problem. Sie traut die beiden und lässt ihnen die Eheringe ins Ohr tackern. Sarkastische Bilder wie dieses liefert die von der französischen Regisseurin Isabelle Starkier inszenierte Produktion ‚ Kreuzzug der Schweine‘ am Fließband. Mit rabenschwarzem Humor nehmen die drei Spieler vom Schweizer Figurentheater Vagabu Profitgier und den moralischen Alleinvertretungsanspruch der Kirche aufs Korn – aus Schweinesicht.

Allein die kleine, von den Spielern Marius Kob und Christian Schuppli gestaltete Bühne signalisiert Sarkasmus pur: Ein dreiflügeliges Altarbild zeigt eine Wellness-Farm für Schweine. Aus den zahllosen Fensterchen ihrer Einzelzimmer plaudern die Latex-Winzlinge fröhlich über ihre Lebenslust beim täglichen Wohlfühlprogramm mit Fernsehen, Gesellschaftstanz, ärztlicher Rundumbetreuung und reichlich Siesta.

Ein schläfriger Professor im rosafarbenen Anzug aus Hochglanzplastik (Pierre Cleitman) und seine Assistenten demonstrieren in einer hochkomischen Show mit stoischer Selbstverständlichkeit à la Monty Python, wie stressfreies Leben das Schlachtgewicht der Schweine erhöht. Eine mächtige Rampensau im schwarzen Müllsack-Look labert auf Zuschauerfragen im Politikerstil verbalen Leerlauf zur Euro-Krise. Köstlich.

Bitterböse komisch geraten den Spielern Bilder von mittelalterlichen Hexenjagden: Bei einer feierlichen Prozession werden aufgespießte Puppenschweine als Opfer religiösen Hasses vorgeführt. Und mit besonders grimmigem Humor zeigt das Darstellertrio Szenen von der Flucht des Schweine-Ehepaars vor einem Ende als Wurstkonserve: Die beiden Liebenden im knittrigen Pergament-Outfit sind zu winzigen Zwitterwesen aus Fingern und Latex mutiert. Auf ihrer Odyssee in den Mittleren Osten, wo angeblich kein Schweinefleisch gegessen wird, gerät das zur Landkarte mutierte Altarbild zum Kreuzweg. Zagreb, Thessaloniki, Istanbul, Damaskus und Jerusalem heißen die Stationen ihres Leidenswegs. Überall wird ihnen Glied um Glied abgerissen. Bis am Ende nur noch ein Ohr und ein Rüssel bleiben: Die Raubtiermentalität des Menschen macht vor keiner Grenze halt.