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Von Pappnasen und Sahnetorten

erschienen am 15.11.2002 in Ludwigsburger Kreiszeitung

"Warten auf Bill Gates" als subversives Vergnügen

Stuttgart – (aba) Theater ohne Worte kann lustig sein. Dabei sind es oft die kleinen, subtilen Späßchen, die das andauernde Kichern im Publikum provozieren. Sigrun Kilger und Alberto Garcia Sanchez haben es im FITS vorgeführt.

Als „Security“, wie der wichtige Aufdruck auf den Hemdentaschen ausweist, bereiten sie den Besuch von Microsoft-Chef Bill Gates vor. Sie tun das mal tollpatschig, dann wieder wichtigtuerisch und großspurig – so wie Muskelmänner und -frauen im wirklichen Leben eben. Hier agieren zwei sehr gut persiflierte Vertreter dieses Genres, ein wenig doof, aber der Bedeutung ihrer Mission bewusst, zwei Befehlsempfänger und bedenkenlose Befehlsausführer, die durch rote Pappnasen schon rein äußerlich die böse Karikatur verkörpern.

Und was dann so im gelungen originell mitspielenden Bühnenbild von Franziska Rast abgeht, die immerhin schon als Assistentin der vielleicht derzeit besten deutschen Bühnenbildnerin Anna Viehbrock gearbeitet hat, steigert sich immer weiter in eine wunderbar anarchische Absurdität.

Eine herrliche Abrechnung mit dem Personenkult, den Sicherheitsmenschen als Art Statussymbol ja so konsequent befördern. Yaron Goldstein, der das bunte Treiben inszeniert hat, lässt sie ihr ganzes mimisches Geschick aus­breiten, lässt sie die kleinen und großen Spaße, Zynismen, Paro­dien, Slapstick-Einlagen, Gags und Frechheiten voll ausspielen. Jede Minute ein Vergnügen von vollendeter Komik.

Kein Wunder, dass nichts so klappt, wie es soll. Und so finden sich neben einer Menge Fasermal­stifte auch Tomaten bei der Durchsuchung des Publikums. Und ein Hammer. Und eine Sichel. Ein Schelm, wer bei der Erwartung des Großkapitalisten Gates sich etwas anderes dabei denkt, als dass das Werkzeuge sind. Aber plötzlich kreuzen sie sich doch zum Kom­munismus-Symbol. Das heißt, sie werden gekreuzt, natürlich von ei­nem der tollpatschigen Wächter. Ob Bill Gates da noch kommt?

Nun, man hat als Zuschauer gar nicht ernsthaft mit seinem Erscheinen gerechnet. Aber als der üppige Beifall verklungen ist, wird doch noch auf seine, zumindest filmische Anwesenheit im Foyer hingewiesen. Dort kann man sich von der Effizienz seiner (echten) Wächter überzeugen, wenn sie ihn vor fliegenden Sahnetorten schützen – oder auch nicht.